Ein angenehmer und lustiger Geselle

Es dauert alles in allem schon einmal drei bis vier Stunden. Die Keschde – so nennt man die Esskastanien in der Pfalz – werden gewaschen, geschält und in Salzwasser gekocht. Als ganze Früchte kommen sie in die große Grillpfanne auf dem Herd. Zwiebeln, Lauch, Karotten und Sellerie dazu, einmal durchrühren und los geht es. Nach rund zwei Stunden wird das ganze Gemenge bei niedriger Temperatur mit Sahne abgelöscht. Fertig ist das Kastaniengemüse.

Keschde gehören im Spätjahr in der Küche von Sylvia Keller einfach dazu. „Es gibt hier viele Kinder, die die Kastanien sammeln. Ich kaufe ihnen dann schon mal zehn Beutel auf einmal ab“, erzählt die gelernte Hotelfachfrau, die 1963 geboren ist. Seit 16 Jahren betreibt sie zusammen mit ihrem Mann das Hotel „Hauensteiner Hof“ mit sieben Doppelzimmern, einem Café und dem Restaurant „Dorfstübel“. Bei der Arbeit in der Küche unterstützt sie mittlerweile Sohn Manuel. Der 1989 geborene junge Mann ist gelernter Koch.

Kastaniensuppe, Wildschweinbraten mit Semmelknödel, Rotkraut und Maronen oder mit Keschde gefüllte Rouladen. Die Bandbreite an Gerichten mit Keschde ist groß. „Wir kochen frisch. Bei uns wird nichts Gefrorenes aufgewärmt“, betont Sylvia Keller, wie wichtig ihr die Zubereitung der Speisen ist. Keschde-Saumagen oder -Bratwürste, die man nur anbraten muss, bezieht sie von der Hauensteiner Metzgerei Braun. Alle Gerichte mit Keschde kommen im „Dorfstübel“ nur in der Saison auf den Tisch. Gleiches gilt für andere Köstlichkeiten wie Spargel oder Pfifferlinge.

„Ich habe viele Wiederholungstäter“, sieht sich Sylvia Keller in ihrem Konzept bestätigt. Mit der Pfalzcard, die sie ihren Übernachtungsgästen zur Verfügung stellt, verlängern sich die Aufenthalte. „Die Leute sitzen im Restaurant oder Café oft zusammen. Da entstehen sogar Freundschaften“, beschreibt sie, was die sprichwörtliche Pfälzer Geselligkeit für sie ausmacht. Bewirtet werden aber nicht nur die Haus- und Stammgäste. Auch ganze Gruppen, die zum Beispiel das Hauensteiner Schuhmuseum besuchen, verwöhnt Sylvia Keller „à la carte“. Und dann sind da noch die Wanderer.

Portrait Gastronomin Sylvia Keller
Gastronomin Sylvia Keller

„Er ist ein angenehmer und lustiger Geselle“, charakterisiert die Gastronomin diesen Typus Gast. Hinzu komme der Herbst mit guter Luft und buntem Laub, weshalb „die Leute einfach besser drauf sind“. Nicht zuletzt schätzt Sylvia Keller die ganz besonders positive Einstellung der Wanderer zum guten Essen, bei dem sie im Herbst „nochmals durchschnaufen“. Denn das Jahr, so würden auch die Gäste sagen, sei nach dem Herbst rum. Dies stimmt auch mit Blick auf die Keschde, die als saisonale Spezialität als Beilage zu den Gänsegerichten auslaufen.

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