Hengstentalbrunnen

Hengstentalbrunnen

Am Ende des idyllischen Hengstentals entspringt eine Quelle, deren klares Wasser den Hengstentalbrunnen speist. Von hier aus fließt es talabwärts bis zur Kreisstraße und versickert in den angrenzenden Wiesen oder vereinigt sich – je nach Jahreszeit – mit den Gewässern des Wögelbrunnens und des Tränkenbrunnens in Richtung Sattelmühle.

Seinen Namen verdankt das Hengstental einer früheren Pferdewechselstation, die sich nach der Esthaler Ortschronik einst an dieser Stelle befand. Heute sprudelt das frische Quellwasser aus einem metallenen Rohr zunächst in einen kleinen Sandsteintrog und fließt anschließend in ein liebevoll angelegtes Biotop, bevor es seinem natürlichen Lauf talabwärts folgt.

Ein besonderer Blickfang der Brunnenanlage ist der kunstvoll bearbeitete Sandstein mit der Inschrift „Hengstental Brunnen 2020“. Der Stein stammt aus dem Bereich des Bildstöckels und wurde von Helmuth Weitzel sorgfältig bearbeitet. Direkt dahinter markiert ein weiterer großer Grenzstein die Grenze zwischen dem Schenk'schen Privatwald und dem Staatsforst im Revier Morschbach. Die Quelle selbst entspringt im Staatswald und verläuft als kleiner Grenzbach in Richtung Tal.

Bei den Erdarbeiten wurde auffallend viel schwarze Erde freigelegt. Dies könnte darauf hindeuten, dass sich an dieser Stelle einst ein Holzkohlemeiler befand. Eine weitere historische Überlegung knüpft an die Namensforschung des Ortes Esthal an. Nach der Deutung von Prof. Dr. Ernst Christmann könnte der Ortsname auf eine frühere „Aschenstelle“ zurückgehen, an der Holz zu Pottasche verarbeitet wurde. Diese wurde früher unter anderem für die Herstellung von Glas, Seife und Kalk benötigt. Das Historische Siedlungsnamensbuch von Michael Dolch und Albrecht Greule beschreibt Esthal ebenfalls als „Eschental“ und verweist auf die historische Bedeutung der Aschegewinnung in dieser Region.

Ob das Hengstental tatsächlich eine Rolle bei den frühen Siedlungsanfängen Esthals spielte, bleibt zwar Spekulation, ist aber eine spannende Vorstellung. Dafür sprechen auch weitere historische Funde in der Umgebung: Unterhalb des heutigen Wögelbrunnens wurde ein steinerner Altar aus der Römerzeit entdeckt, und in unmittelbarer Nähe sollen sich einst römische Gebäude befunden haben. Zudem verlief oberhalb des Hengstentals eine alte Höhenstraße, während die Römerstraße nicht weit entfernt lag.

Ob sich diese Vermutungen eines Tages archäologisch bestätigen lassen, bleibt offen. Unabhängig davon lädt der Hengstentalbrunnen heute dazu ein, die Geschichte, Natur und das klare Quellwasser dieses besonderen Ortes auf sich wirken zu lassen.