Tradition trifft Trails
Sie könnten sicher viel Spannendes erzählen. Die zahlreichen Pfade und Wege im Pfälzerwald haben eine Jahrhunderte alte Geschichte. Da gab es Brotpfade, auf denen im Wald hart arbeitende Holzknechte oder Köhler von ihren Familien mit Essen und Trinken versorgt wurden. Da verbanden – etwa im 18. und 19. Jahrhundert in der Eisenindustrie im Moosalbtal – Arbeiterwege die Produktionsstätten miteinander. Diese lagen häufig noch dazu an steilen Hängen, weil die Menschen die wenigen Flächen im Tal für Viehhaltung oder den Anbau von Nutzpflanzen dringend benötigten. Und da sind nicht zuletzt die Schusterwege, auf denen sich die Arbeiter zwischen ihrem Zuhause und den Schuhfabriken – vor allem rund um Pirmasens und Hauenstein – bewegten. Kilometer um Kilometer, Höhenmeter um Höhenmeter galt es „auf Schusters Rappen“ zu bewältigen. Arme Handwerker oder Waldarbeiter konnten sich nämlich beim besten Willen kein Pferd (= Rappen) leisten.
Ein Paradies für Mountainbiker
Genutzt werden die historischen Pfade und Wegen auch heute noch. Allerdings geht es in einem wahren Paradies für Wanderer und Mountainbiker nun vor allem um das Naturerlebnis im Biosphärenreservat Pfälzerwald. Der Mountainbikepark Pfälzerwald kombiniert in einzigartiger Weise mit Naturerlebnis mit – siehe oben – Kultur. Sage und schreibe 900 Streckenkilometer machen ihn zu einem der größten zusammenhängenden Mountainbike-Gebiete Deutschlands. Insgesamt 20 ausgesprochen vielfältige Rundkurse können hier absolviert werden. Sie sind zwischen 24 und 78 Kilometer lang. Genauso unterschiedlich sind auch die Höhenmeter, die es zu bewältigen gilt: Sie bewegen sich zwischen 530 und 1990 Höhenmetern. Als Sahnehaube obendrauf kommt ein Singletrail-Anteil von bis zu 30 Prozent. Nicht zuletzt sind viele Touren miteinander kombinierbar, da sich Routen an mehreren Punkten kreuzen. Und dies alles ganzjährig, denn ein weiteres Plus sind die sandigen Böden des Pfälzerwaldes, die Regen schnell aufsaugen.
Durchgängig markiert und gepflegt
Alle Strecken, die regelmäßig durch lokale Scouts kontrolliert und gepflegt werden, sind durchgängig mit Wegweisern gekennzeichnet. Sie zeigen jeweils Tournummer, Fahrtrichtung und Schwierigkeitsgrad an. An zentralen Stellen – etwa in Johanniskreuz, wo sich seit jeher im Herzen des Pfälzerwaldes Wege treffen – finden sich auch Hinweistafeln mit den relevanten Streckendaten. Regeln, die sich an den Trail Rules der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) orientieren, sorgen mit dafür, dass alle, die im Pfälzerwald Erholung suchen, diese auch finden. So heißt es „fahre nur auf erlaubten Wegen“ und „hinterlasse keine Spuren“. Jeder ist aufgefordert, „sein Bike unter Kontrolle zu halten“, „andere Wegenutzer zu respektieren“ und „Rücksicht auf die Tiere im Wald zu nehmen“.
Bewegende Bewegungen
Dies alles hat im Pfälzerwald Tradition. Wer heute auf alten Pfaden und Wegen im Pfälzerwald unterwegs ist, stößt auch in diesem Zusammenhang wieder auf historische Spuren. Denn das dichteste Netz an bewirtschafteten Hütten in einem deutschen Mittelgebirge geht zurück auf die Naturfreunde und den Pfälzerwald-Verein. Die Wurzeln dafür reichen zurück bis ans Ende des 19. Jahrhunderts. So sind die Naturfreunde, die sich heute für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur einsetzen, aus der Arbeiterbewegung heraus entstanden. Auch den Pfälzerwald-Verein gründeten Anfang des 20. Jahrhunderts Männer und Frauen, die sich vor dem Hintergrund der Industrie in Ludwigshafen dem Naturschutz und der Förderung des Wanderns verbunden fühlten. Pfälzerwald-Hütten, seit 2021 Teil des immateriellen Welterbes der UNESCO, und Naturfreunde-Häuser spielen im Pfälzer Tourismus eine große Rolle. Wanderer und Radfahrer, alle sind ja in Bewegung, steuern sie gestern wie heute gerne an. Schließlich ist hier die sprichwörtliche herzliche Pfälzer Gastlichkeit zuhause.
Mit Schwung zu neuen Geschichten
Erfrischt und gestärkt wird nach der Hüttenrast wieder in die Pedale getreten. Der Mountainbikepark ist herausfordernd, weil viele der Strecken echtes Fahrkönnen erfordern. Zudem ist er mit flowigen Trails und technisch herausfordernden Passagen für jedes Niveau ausgesprochen abwechslungsreich. Die Pfalz ist eben ein Paradies mit idyllischen Wäldern und stillen Tälern, mit mächtigen Burgen und Sandsteinfelsen. Wenn Tradition Tempo trifft, schließt sich der Kreis: Denn wer sich auf alten Pfaden mit neuem Schwung bewegt, kann garantiert viele spannende Geschichten erzählen.
Autor: Michael Dostal