Der wohl ungewöhnlichste Weinberg der Pfalz ist in der Einzellage "Schlossberg" im südpfälzischen Weingarten angelegt worden. Alle rund 1300 Rebstöcke auf dem 2720 Quadratmeter großen Areal sind Abkömmlinge von 30 Rebsorten, die von dem Geologen und Heimatforscher Dr. Peter Sinn aus Heidelberg vor sechs Jahren auf einem uralten Weinberg in Handschuhsheim entdeckt wurden.

Stöcke aus dem 19. Jahrhundert

alter Rebstock
alter Rebstock

Der Rebsortenkundler Andreas Jung aus Lustadt bei Germersheim, der im Auftrag des Bundeslandwirtschafts-Ministeriums alte Rebflächen kartiert, identifizierte die einzelnen Stöcke anhand von Blattform, Trauben, Holz oder Triebspitze. Der Weinbautechniker Andreas Schäffer entnahm den alten Rebstöcken, die zum Teil aus dem 19. Jahrhundert stammen, Stecklinge und setzte sie nun in seinen Weinberg. Die Anlage in Weingarten ist so etwas wie ein "Flickerlteppich", denn der "Mischsatz" umfasst 30 Rebsorten, die hierzulande kaum noch bekannte Namen tragen: "Ortlieber" aus dem Elsass, "Honigler" aus Ungarn, "Affentaler" aus Baden, "Blauer Kracher" aus Österreich (aus ihm entsteht dort der berühmte "Schilcher") oder "Welschriesling" aus den Balkanländern. "Wenn mal alle Rebstöcke erwachsen sind, sieht der Weinberg im Herbst mit seinem Laub mit Sicherheit sehr bunt aus," freut sich Andreas Schäffer auf die nächsten Jahre.

Cuvée aus roten und weißen Trauben

Von den zweijährigen Reben konnte er in diesem Jahr bereits etwa 80 Kilogramm Trauben ernten, die er - "weil die Menge noch sehr gering ist" - zu einer Cuvée aus weißen und roten Trauben verarbeitete. Ausgebaut wird der Wein beim Neustadter Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR). Schäffer: "Ich will mit dieser Anlage keinen Gewinn erzielen, sondern uralte Rebsorten für die Nachwelt erhalten und sie vor dem Aussterben bewahren."
Deshalb werden alle 30 Rebsorten genau beobachtet, um auch eventuelle Mutationen festzustellen. In den Weinberg kommt keine Chemie: "Die 1300 Rebstöcke werden ganz sparsam bearbeitet - schließlich bin ich Mitglied im Bioland-Verbund," versichert Schäffer. Für den 25-Jährigen, der in Duttweiler im Weingut Bergdolt-Reif und Nett angestellt ist, ist der Weinberg noch ein Abenteuer, "denn man weiß nie, was dabei rumkommt".

Gerne kann man hier auch "Weinpate" werden. Wie das geht, erfahren Sie hier.

(Text von Rolf Sperber)