Sammeln, wandern, schlemmen: Vom 1. Oktober bis 15. November feiert die Pfalz ihre Esskastanie – und ein ganz besonderes Stück pfälzische Lebensart

Sie liegen zwischen buntem Herbstlaub, verstecken sich in stacheligen Hüllen und lösen in der Pfalz jedes Jahr aufs Neue eine kleine Sammelleidenschaft aus: die „Keschde“. So nennen die Pfälzer ihre Esskastanien. Wenn die reifen Früchte im Herbst von den Bäumen fallen, zieht es Einheimische und Gäste in die Kastanienwälder am Haardtrand und im Pfälzerwald. Gesammelt wird für die eigene Küche – oder einfach, weil die Suche nach den glänzend braunen Früchten zu einem echten Pfälzer Herbsttag dazugehört.

Vom 1. Oktober bis 15. November wird dieses Lebensgefühl während der Pfälzer Keschdewochen besonders erlebbar. Dann dreht sich im Pfälzerwald und entlang des Haardtrands alles um die Esskastanie. Hier erstreckt sich Deutschlands größtes zusammenhängendes Esskastaniengebiet – ein breiter Waldstreifen aus Edelkastanien, der die Landschaft prägt. Während der Keschdezeit lässt sich die typische Pfälzer Herbstfrucht auf vielfältige Weise erleben: beim Wandern und Sammeln, auf Keschdemärkten und bei geführten Touren – und natürlich auch in Restaurants und Weinstuben. 

Warum die Pfälzer ihre Kastanien „Keschde“ nennen

Die Keschde ist in der Pfalz weit mehr als eine herbstliche Zutat. Esskastanien prägen seit Jahrhunderten die Landschaft zwischen Wald und Weinbergen. Bereits die Römer wussten das milde Klima der Region für den Anbau der wärmeliebenden Bäume zu schätzen. Später ließ König Ludwig I. von Bayern rund um seine Sommerresidenz Villa Ludwigshöhe in Edenkoben mehr als 10.000 Kastanienbäume pflanzen. Heute befindet sich rund die Hälfte der deutschen Edelkastanienvorkommen mit etwa 3.000 Hektar rund um Annweiler und entlang des Haardtrands. Wo der Pfälzerwald auf die Weinberge der Deutschen Weinstraße trifft, gehören die mächtigen Kastanienbäume deshalb ganz selbstverständlich zum Landschaftsbild.

Auf zur Keschdejagd

Am unmittelbarsten lässt sich der Pfälzer Keschde-Kult dort erleben, wo die Früchte wachsen: im Wald. Im Herbst platzen die stacheligen Fruchthüllen auf und geben die reifen Kastanien frei. Dann beginnt die Sammelzeit – und wer einmal angefangen hat, zwischen raschelndem Herbstlaub nach den glänzend braunen Früchten Ausschau zu halten, versteht schnell, warum das Keschdesammeln hier fast schon Kultstatus besitzt.

Premiere zur diesjährigen Keschdezeit: Zum ersten Mal gibt es für kleine und große Keschdejäger und -jägerinnen ein eigenes Sammelutensil. Pünktlich zu den Keschdewochen sind in den teilnehmenden Tourist-Informationen eigens gestaltete Keschde-Sammelsäckchen zum Preis von 3,90 Euro erhältlich. Die kleinen Jutebeutel im Stil eines klassischen Apothekertäschchens sind OEKO-TEX® zertifiziert und eignen sich ideal, um die gesammelten Schätze sicher durch den Pfälzer Herbst zu tragen. Zugleich sind sie ein nützlicher Begleiter bei Wanderungen und ein schönes Souvenir.

Wandern unter Kastanienbäumen

Die Suche nach Keschde lässt sich hervorragend mit einer Herbstwanderung verbinden. Eine der bekanntesten Routen ist der Pfälzer Keschdeweg. Auf rund 60 Kilometern führt er auf vier Tagesetappen von Hauenstein durch den Pfälzerwald über Annweiler am Trifels bis an die Deutsche Weinstraße. Kastanienwälder wechseln sich mit Weinbergen, Burgen und kleinen Weinorten ab. Wer keine Mehrtagestour unternehmen möchte, kann auf verschiedenen Rundwanderungen oder auf dem rund sechs Kilometer langen, familienfreundlichen Keschde-Erlebnisweg in die Welt der Esskastanie eintauchen.

Vom Waldboden auf den Teller

Nach dem Sammeln kommt der Genuss. Denn bevor die Keschde zu Suppe, Beilage, Kuchen oder anderen herbstlichen Gerichten werden kann, muss sie zunächst richtig zubereitet werden. Auch dafür bietet die Themenseite praktische Hilfestellung: Gäste erfahren, wie die gesammelten Kastanien verarbeitet werden, und finden Rezeptideen, mit denen sich ein Stück Pfälzer Herbst mit nach Hause nehmen lässt.

Wer lieber andere kochen lässt, kehrt nach der Wanderung in einem der teilnehmenden Restaurants und Weinstuben ein. Während der Keschdewochen landet die Esskastanie dort in ganz unterschiedlichen Variationen auf dem Teller – herzhaft oder süß, traditionell oder modern interpretiert.

Drei Wochenenden im Zeichen der Keschde

An drei Oktoberwochenenden wird die Keschde gleich an mehreren Orten gefeiert. Den Startschuss gibt das Keschdefeschd in Annweiler am Trifels am 3. und 4. Oktober. Zahlreiche Stände in der Innenstadt widmen sich dort der Esskastanie – von Kastaniencreme und Kastanienhonig bis zu Kastanienbratwurst, Chutney, Knödeln und Brot. Dazu kommen weitere regionale und saisonale Produkte, Musik und Angebote für Familien. 

Am darauffolgenden Wochenende wird die Keschde in Edenkoben gefeiert, bevor Hauenstein am dritten Oktoberwochenende die Reihe fortsetzt. Dort lädt am Sonntag der traditionelle Keschdemarkt dazu ein, die Pfälzer Herbstfrucht in ihren unterschiedlichen Facetten kennenzulernen und zu genießen. 

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Darin findet ihr den Pfälzer Keschdeweg inklusive Höhenprofilen, spannende Rundwege zur Kastanie, Infos zur Keschde-Kulinarik, Restaurants mit leckeren Keschdegerichten sowie Kastanienfeste und -märkte und noch vieles mehr. Den Flyer gibt es ab sofort in teilnehmenden Tourist-Informationen, zum Download auf unserer Homepage oder ganz bequem direkt nach Hause zu bestellen.

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