„Mahnend und beklemmend herbkräftig“ – so beschreibt Hermann Hesse den Geruch der Edelkastanie. Andere empfinden ihn als streng, süßlich oder einfach betörend. Genau dieser Duft liegt im Juni über der Pfalz, wenn tausende „Keschde“ blühen. Die Bäume hängen dann voller langer, blassgelber Blüten und ziehen ein hell leuchtendes Band durch die grünen Hänge des Pfälzerwalds.
Die Edelkastanie kam schon vor rund 2.000 Jahren mit den Römern in die Region und fühlt sich im milden Klima bis heute wohl. Zwischen Annweiler und Bad Dürkheim wachsen besonders viele dieser Bäume – nirgendwo sonst nördlich der Alpen so dicht. Orte wie die Villa Ludwigshöhe oder das Hambacher Schloss, auch „Keschdeburg“, liegen mitten in diesen Kastanienwäldern.
Der intensive Duft entsteht durch die Blütenpollen und lockt Bienen und andere Insekten zur Bestäubung an. So entsteht das typische, leicht süßlich-würzige Aroma der Blütezeit. Ein Highlight für Wanderer ist der rund 60 Kilometer lange „Pälzer Keschdeweg“, der durch dichte Kastanienwälder, vorbei an Quellen, Aussichtspunkten und Weinbergen führt – von Hauenstein bis Neustadt an der Weinstraße.
Im Herbst liefern die Bäume ihre Früchte: Maronen. Früher Grundnahrungsmittel, heute eine regionale Delikatesse. Sie werden geröstet, zu Mehl, Brot, Nudeln oder Likör verarbeitet und sind fester Bestandteil von Kastanienfesten. Geschmacklich: mild süß, nussig – und unverkennbar „Pfalz“.ung.