Wasser – Wald – Wandel
Absolute Ruhe. Ein feiner Dunst schwebt über dem Wasser. Es fängt die ersten Sonnenstrahlen ein. Im warmen Licht verdoppeln sich auf spiegelglatter Fläche die Bäume. Sie säumen das Ufer beinahe rundum bis direkt ans Wasser. Ein früher Morgen im August am Helmbachweiher mitten im Pfälzerwald. Der Tag wird zeigen, dass hinter dieser Idylle noch viel mehr steckt als nur Naturromantik. Unsere Tour in stille Täler, zu ruhigen Wassern und in tiefe Wälder ist einerseits Erholung pur. Andererseits zeigt sie auf, wie eng Mensch und Natur, Arbeit und Freizeit miteinander verbunden sind – und dies seit Jahrhunderten.
Mit glasklarem Wasser
Schon der Helmbachweiher selbst, unweit von Elmstein (Landkreis Bad Dürkheim) gelegen, ist mit seiner Fläche von etwa einem Hektar und einer maximalen Tiefe von gut zwei Metern ein Beispiel dafür. Geschaffen wurde er nämlich durch Menschenhand, als 1970 das Wasser des Kohlbachs aufgestaut wurde. Der schmale Waldbach mit glasklarem Wasser passiert am Ende des Sees den Staudamm und mündet wenige Schritte weiter in den Helmbach. Der Weiher selbst wird auch als Badesee genutzt. Steht hier noch die Freizeit im Mittelpunkt, so vermittelt der Brunnenweg, der rund um den benachbarten Ort Esthal führt, welche große Bedeutung Wasser hatte und hat. Dabei tauchen wir noch tiefer in die Geschichte ein.
Vorbei an alten Brunnen
Der Prädikatswanderweg – insgesamt 15 Kilometer lang, die in zwei Abschnitte geteilt werden können – führt vorbei an Brunnen, die früher als Viehtränken und Waschbrunnen dienten. Der etwa 250 Jahre alte Straufelsbrunnen, heute ein Platz für Pause und Picknick, wurde zudem zur Bewässerung der Felder und Wiesen im Straufelstal genutzt. Beim Wandern stößt man mitten im Wald immer wieder auf Brunnen, an denen man seinen Durst mit reinem Quellwasser stillen kann. In der Waldgemeinde Esthal gab es bis Ende des 19. Jahrhunderts vier Tiefbrunnen, danach begann die Wasserverteilung über Leitungen. Die Versorgung von Mensch und Tier war zuvor ausgesprochen mühsam. Schließlich musste das Wasser aus den in den Tälern gelegenen Brunnen mit Kübeln und Eimern zu den Haushalten transportiert werden.
Wasser als Transportweg
Auch das Wasser selbst diente als Transportweg. Denn das Holz, das inmitten des Pfälzerwaldes rund um Elmstein geschlagen wurde, galt es in die Rheinebene zu bringen. Funktioniert hat dies über das ausgeklügelte System der Holztrift. Was schon im Mittelalter begann, wurde in der bayerischen Zeit überplant. Etwa ab 1820 sind Triftanlagen sogar in Sandstein errichtet worden. Hier staut man Wasser in Woogen an, um es bei Bedarf gezielt für den Transport der Baumstämme in den Bach einzuleiten. Am Legelbach im Elmsteiner Tal, der in den Speyerbach mündet, findet sich eines der wichtigsten und am besten erhaltenen Beispiele eines solchen Triftbachs. Am Trifterlebnispfad Legelbachtal vermitteln Infotafeln und Audiodateien viel Wissenswertes. Der Weg führt jedoch nicht nur vorbei an bis zu 200 Jahre alten Bauwerken, sondern immer auch durch das satte Grün der Natur und – zum Beispiel – dem Nibelungenfels. Das in mehreren Terrassen aufgetürmte Felsmassiv oberhalb des Legelbachtals hat seinen Namen von einem Relief mit überlebensgroß wiedergegebenen Gestalten aus der Nibelungensage.
Wenn Zapfen klingen
Wer noch mehr über die Holzwirtschaft erfahren will, besucht die „Alte Samenklenge“ in Elmstein. So heißt ein kleines, aber feines Museum, das sich ganz dem Wald als Lebensraum, Arbeitsplatz sowie Nahrungs- und Baustofflieferant widmet. „Der Name stammt von dem natürlichen Geräusch, wenn der Zapfen aufspringt. Dann klingt er nämlich“, erklärt Burkhard Steckel. Der frühere Leiter des Forstamtes Johanniskreuz engagiert sich ehrenamtlich im Haus der Forst- und Waldgeschichte, das noch vor rund 20 Jahren als staatliche Samenklenge betrieben wurde. Hier sind Baumsamen aufbereitet und gelagert worden, die man für die Wiederaufforstung von geernteten Flächen mit dem richtigen Saatgut benötigte.
Waldarbeit im Wandel
In Elmstein bereiteten die Waldarbeiter seinerzeit überwiegend Samen von Nadelbäumen auf. Um an sie zu gelangen, mussten sie die Stämme hochklettern und die Zapfen von Fichten, Kiefern, Douglasien oder Lärchen ernten. Die Zapfen füllte man in einen großen Darrofen, in dem sie bei maximal 60 Grad getrocknet wurden. Dann kamen die getrockneten Zapfen in eine Längstrommel, in der durch Rotation die Samen herausfielen. Diese mussten dann mit einem sogenannten Bürstenentflügler von den winzigen Flügeln geholt werden, bevor schließlich im Steigsichter brauchbare Vollkörner von Hohlkörnern getrennt werden. Luftdicht verpackt blieben die Samen kühl gelagert bis zu 30 Jahre keimfähig. Das Museum vermittelt daneben, wie sich Waldarbeit seit dem 19. Jahrhundert gewandelt hat. Auch der Holztransport ist Thema, womit direkt an den Trifterlebnispfad angeknüpft wird.
Verbindende Wanderwege
Apropos anknüpfen: Viele Wanderwege verbinden zahlreiche Kultur- und Naturdenkmäler. Und dies gilt auch für ein einzigartiges immaterielles UNESCO-Kulturerbe: das Pfälzer Hüttenerlebnis. Das dichteste Netz an bewirtschafteten Hütten in einem Mittelgebirge sorgt schließlich im Pfälzerwald für ein Alleinstellungsmerkmal. Rund um die Verbandsgemeinde Lambrecht, zu der auch Elmstein und Esthal zählen, finden sich viele Hütten des Pfälzerwald-Vereins und der Naturfreunde. Der Prädikatsfernwanderweg „Pfälzer Hüttensteig“ macht diese auf 93 Kilometern erlebbar. Keine Sorge, es geht auch kürzer: mit einzelnen Etappen ohne und mit Übernachtungen, etwa im Naturfreundehaus Elmstein. Ob bei einer Tagestour oder einem längeren Aufenthalt, das Elmsteiner Tal zeigt anhand der Verbindung von Mensch und Natur, Arbeit und Freizeit, dass ein Satz des deutschen Schriftstellers Kurt Tucholsky (1890 – 1935) noch heute Gültigkeit hat: „In der vollkommenen Stille hört man die Welt.“ Ganz gleich, ob am Helmbachweiher oder im Naturfreundehaus, wenn der Wald nach und nach in der Dunkelheit verschwindet, herrscht wohltuende Ruhe.
Autor: Michael Dostal