Die Weinbauregion Pfalz begegnet dem weltweiten Strukturwandel der Branche mit Innovationskraft und hoher Qualität. Neben ihren markenstarken Weingütern, ihrer Sortimentsbreite und ihrer zuletzt positiven Exportentwicklung ist der Weintourismus dabei ein wichtiger Faktor, wie eine aktuelle Studie der Hochschule Geisenheim belegt: Weinmotivierte Gäste tragen überproportional zur regionalen Wertschöpfung bei. Erfolge in der Sterne Gastronomie, international ausgezeichnete Weine und eine lebendige Event-Kultur junger Winzerinnen und Winzer tragen zusätzlich dazu bei, die Pfalz national wie international als attraktive Genussregion für wein- und genussinteressierte Gäste zu positionieren.

Die aktuellen Ergebnisse der Hochschule Geisenheim sowie die Entwicklungen der vergangenen Monate zeigen, welche Bedeutung der Weintourismus für die Pfalz inzwischen hat. Rund jeder dritte Gast in der Weinbauregion Pfalz kehrt während seines Aufenthalts in ein Weingut ein. Das ist mehr als in den meisten vergleichbaren Weinregionen und zugleich einer der wichtigsten Befunde der Untersuchung, die auf Initiative von Pfalzwein e.V. entstanden ist. Denn diese Gäste tragen einen erheblichen Teil zur touristischen Wertschöpfung bei:

Weininteressierte geben mehr Geld aus

Die Studie unterscheidet drei Besuchergruppen. Für die einen ist der Wein der Grund der Reise, sie machen etwa ein Fünftel der Gäste aus, sorgen aber auch für 22 Prozent des gesamten Tourismusumsatzes in der Pfalz. Andere besuchen ein Weingut eher nebenbei, weil sich die Gelegenheit ergibt. Der Rest, immerhin knapp zwei Drittel, hat während des gesamten Aufenthalts keinen Kontakt zu einem Weingut.

Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Gruppen unterscheidet sich deutlich. Ein weinmotivierter Tagesgast gibt mit gut 100 Euro pro Person und Tag rund 80 Prozent mehr aus wie ein Gast ohne Weingutsbesuch. Der Unterschied entsteht fast vollständig beim Wein selbst, der gekauft und mitgenommen wird. Hinzu kommt, dass weinmotivierte Gäste deutlich häufiger übernachten, statt nur für einen Tag zu kommen. Übernachtungsgäste leisten dabei grundsätzlich einen höheren Beitrag zur touristischen Wertschöpfung. Im Schnitt bleiben sie drei Nächte.

„Wer bewusst als Weintourist in die Weinregion Pfalz kommt, verhält sich wie ein Gast im Napa Valley: Er besucht mehrere Betriebe und kauft ein. Der Unterschied ist das Geschäftsmodell. Die Weinbauregion Pfalz lebt vom spontanen Besuch und verdient am Wein, den die Gäste mitnehmen, nicht am Verkostungsentgelt. Das hält die Schwelle niedrig, macht die Auslastung aber schwer planbar“, sagt Prof. Dr. Gergely Szolnoki von der Hochschule Geisenheim.

„Die Studie zeigt, dass wir bei der Anzahl von besuchten Weingütern durch Weintouristen selbst im internationalen Vergleich – u.a. zu spanischen Weinrouten oder dem Napa Valley – stark abschneiden“, sagt Boris Kranz, 1. Vorsitzender von Pfalzwein e.V. „Darauf wollen wir weiter aufbauen und noch mehr Gäste für die weintouristischen Angebote unserer Region gewinnen. Dazu gehören gezielte Projekte im Weintourismus in enger Zusammenarbeit mit der Pfalz Touristik und den touristischen Partnern entlang der Deutschen Weinstraße ebenso wie Maßnahmen, mit denen wir verstärkt jüngere Zielgruppen ansprechen. 

Gleichzeitig haben wir unsere Arbeit in weiteren wichtigen Bereichen intensiviert: mit zusätzlichen Aktionen im Lebensmitteleinzelhandel in Kooperation mit dem Deutschen Weininstitut und dem Land Rheinland-Pfalz, mit der engen Zusammenarbeit mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Gastronomie, Fachhandel, Sommellerie, Handel, Medien und Social Media. Zudem tragen verstärkte Exportaktivitäten unserer Betriebe, unterstützt auch durch die Weinwerbung, erste Früchte, wie der aktuelle Exportbericht der „Geisenheimer Absatzanalyse“ zeigt. Insgesamt sehen wir, dass wir gemeinsam mit starken Partnern die Zukunft unserer Weinbauregion Pfalz aktiv gestalten können.“

Gastronomie und neue Veranstaltungsformate stärken die Region 

Die Weinregion Pfalz ist seit vielen Jahren ein attraktives Reiseziel. Dazu tragen ihre Weinfeste, die Landschaft und der hohe Erholungswert ebenso bei wie die Menschen, die Winzerinnen und Winzer und ihre Weine. Hinzu kommt ein breites Angebot an Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten. Gerade die Verbindung von Wein und Gastronomie hat in den vergangenen Jahren gezeigt, welche Strahlkraft ausgezeichnete Betriebe und neue Konzepte für die Region entwickeln können, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen. 

Neben dem bundesweit und darüber hinaus bekannten Deidesheimer Hof, seien hier stellvertretend für viele einige Beispiele genannt: Das stärkste kulinarische Ausrufezeichen setzte im Juni 2026 das Restaurant L.A. Jordan im Ketschauer Hof in Deidesheim. Der Guide Michelin verlieh Daniel Schimkowitsch und seinem Team den dritten Stern. Als bundesweit einziger Neuzugang in der Drei-Sterne-Kategorie in 2026 sorgt das Restaurant damit weit über die Region hinaus für Aufmerksamkeit. Auch eine jüngere Generation von Gastronominnen und Gastronomen prägt die Pfalz zunehmend. Bereits Anfang 2025 kürte der Gault&Millau Benjamin Peifer vom Restaurant Intense in Wachenheim zum „Koch des Jahres“; sein Restaurant trägt zwei Michelin-Sterne. Dazu kommen das Restaurant Irori in Knittelsheim mit einem Michelin-Stern sowie weitere ausgezeichnete Restaurants in der Pfalz, darunter z.B. das Admiral (Weisenheim am Berg) und das Atable (Freinsheim) mit ausgezeichneten Weinkarten. Der Wechsel von Sternekoch Joshua Leise aus München in das Gasthaus Zum Winzer nach Maikammer unterstreicht zudem den Trend zum Casual Fine Dining und zur neuen Lust am Wirtshaus. Denn in der Pfalz stehen Hochküche und Pfälzer Lebensart heute ganz selbstverständlich nebeneinander.

Touristenmagnete auch für junge Besucherinnen und Besucher 

Ein weiterer Grund für die wachsende Attraktivität der Weinbauregion Pfalz bei jüngeren Gästen ist ihre lebendige Event-Szene rund um den Wein. Beispiele sind das GOAT Event im Weingut Andres in Deidesheim, „let's get physical“ im Weingut Rings, das „Vorsicht Glas“ Pop-up in Landau, das "Ragazzi" Pop-up im Weingut Berizzi sowie die Ilbesheimer Wein-Pop-ups der vergangenen beiden Sommer. Pfälzer Weine treffen dabei auf eine unkomplizierte, hochwertige Küche, Musik und zeitgemäße Konzepte. Die Formate geben zusätzliche Impulse für einen Besuch und sprechen insbesondere jüngere Gäste aus den umliegenden Ballungsräumen an.

Was Gäste ins Weingut führt

Wie ein Weingutsbesuch zustande kommt, gehört zu den praxisrelevantesten Erkenntnissen der Studie für die weinerzeugenden Betriebe. Rund zwei Drittel der Besuche sind vorab geplant. Ausschlaggebend sind dabei meist eine persönliche oder Online Empfehlung, aber auch Wein, den Gäste zuvor im Handel kennengelernt haben. Klassische Werbung spielt dagegen kaum eine Rolle.

Etwa ein Drittel der Besuche entsteht spontan vor Ort. Gäste werden durch ein Schild aufmerksam oder finden den Betrieb über die Pfalzwein-App und andere Karten-Apps. Sichtbarkeit und verlässliche Öffnungszeiten sind für diese Gruppe deshalb unmittelbar umsatzrelevant, ebenso wie gute und leicht auffindbare weintouristische Aktivitäten. Im Weingut selbst zählt vor allem die Möglichkeit, in Ruhe zu probieren. Wichtig sind außerdem ein gastronomisches Angebot und der persönliche Austausch mit der Winzerin oder dem Winzer.

Die weintouristische Attraktivität der Weingüter lebt nicht allein von Lage und Auffindbarkeit, sondern auch von der Qualität und den Erfolgen der Betriebe. Was einzelne Weingüter erreichen, stärkt in der Summe die Sichtbarkeit und Reputation der gesamten Region. Pfälzer Weine und Weingüter erhalten regelmäßig hohe nationale und internationale Bewertungen und Auszeichnungen. Dazu zählen 100 Punkte des US-Weinkritikers James Suckling für den 2024 Kirchenstück G.C. Riesling Trocken von Dr. Bürklin-Wolf in Wachenheim, die Auszeichnung „Weingut des Jahres“ für das Weingut Metzger aus Grünstadt-Asselheim im VINUM Weinguide 2026, die Kür der Brüder Steffen und Andreas Rings aus Freinsheim zu den „Winzern des Jahres“ durch den Feinschmecker sowie die Auszeichnung des Weinguts Seckinger aus Niederkirchen als „Aufsteiger des Jahres“ im Eichelmann 2025.

Besonders beim Sekt hat sich die Pfalz in den vergangenen Jahren stark entwickelt. Sekt steht zugleich für die Lebensfreude, die die Region prägt. Im Falstaff 2026 ging der Titel „Sekterzeugerin des Jahres“ an Carolin Bergdolt aus Duttweiler. Sie steht stellvertretend für eine wachsende Zahl von Betrieben, die der traditionellen Flaschengärung mit langem Hefelager und niedriger Dosage große Aufmerksamkeit widmen, darunter Christmann & Kauffmann, Eymann, John, Jülg, Krack, Rebholz, Rings, Scheuermann, Stolleis und der Wilhelmshof. Damit gehört die Pfalz zu den Regionen, die die Entwicklung hochwertiger deutscher Sekte wesentlich mitprägen.

Die Pfalz - neue Ideen und gelebte Nähe

Die Ergebnisse der Studie zeigen eine gute Ausgangslage für die weitere Entwicklung des Weintourismus in der Pfalz. Die Gäste sind mit der Region ausgesprochen zufrieden. Weinangebot, Wanderwege und Ausflugsziele werden durchweg sehr gut bewertet.

Eine besondere Stärke der Pfalz ist ihre Nähe zu wichtigen Quellmärkten. Die Hälfte der Gäste kommt aus Rheinland-Pfalz selbst, ein großer Teil der übrigen Gäste aus den angrenzenden Bundesländern. Gleichzeitig entfallen rund 83 Prozent der hochgerechneten touristischen Besuchertage auf Tagesausflüge. Daraus ergibt sich ein klares Potenzial: mehr Gäste für einen Besuch im Weingut zu gewinnen und mehr Tagesgäste zu einem längeren Aufenthalt in der Region zu bewegen. Beides trägt unmittelbar zu einer höheren regionalen Wertschöpfung bei.

Gute Voraussetzungen allein reichen dafür jedoch nicht aus. Entscheidend ist, die Region kontinuierlich weiterzuentwickeln und neue Besuchsanlässe zu schaffen. Pfalzwein e.V. bündelt dafür das Engagement der nachrückenden Generation in der Initiative „Die Junge Pfalz“. Dabei geht es auch um ein gemeinsames Selbstverständnis für die Region. Die jungen Winzerinnen und Winzer verstehen sich zunehmend als Netzwerk. Gemeinsame Messeauftritte, Pop-up-Events und die Kommunikation über soziale Medien stärken die gemeinsame Sichtbarkeit.

Gleichzeitig greift die Weinbauregion Pfalz aktuelle Entwicklungen wie alkoholfreie und alkoholreduzierte Weine auf. Mit dem Julius-Kühn-Institut in Siebeldingen verfügt die Region zudem über ein international bedeutendes Zentrum für die Forschung an pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, den sogenannten Piwis. Sie sind eine wichtige Grundlage für mehr Nachhaltigkeit im Weinbau, weil ihr Anbau deutlich weniger Pflanzenschutzmaßnahmen erfordert.

 

Zur Studie

Die Weintourismus-Befragung fand vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026 statt. Insgesamt wurden 332 Touristinnen und Touristen an 19 weinneutralen Standorten in der Pfalz persönlich befragt, also weder auf Weingütern noch bei Weinveranstaltungen. Die Berechnung der touristischen Wertschöpfung folgt der Methodik von Tafel und Szolnoki (2020) und basiert auf amtlichen Beherbergungsstatistiken sowie dem dwif-Tagesreisenmonitor. Gäste aus dem Ausland waren nicht Teil der Befragung. Studie auf Anfrage bei der Pfalzwein erhältlich. Bei Rückfragen zur Studie wenden Sie sich gerne an den Pressekontakt oder an: Prof. Dr. Gergely Szolnoki, Institut für Wein- und Getränkewirtschaft, Hochschule Geisenheim University, Telefon +49 6722 502 394 gergely.szolnoki@hs-gm.de