Veranstaltung

Frauenwanderung: Den nächsten Schritt gehen

Zu Beginn gibt es eine kurze Einführung in die Praxis der Gehmeditation. Im Mittelpunkt steht eine einfache und zugleich tiefgehende Anleitung, wie sie der Benediktinerpater und Zen-Meister Willigis Jäger vermittelte:
„Der nächste Schritt. Und dann noch ein Schritt und der nächste.“ Mehr ist nicht erforderlich. Die Aufmerksamkeit richtet sich ausschließlich auf den unmittelbar nächsten Schritt. Nicht auf den Weg, der noch vor uns liegt, nicht auf das Ziel und nicht darauf, wie weit wir bereits gegangen sind. 
Schon nach kurzer Zeit wird deutlich, wie unruhig unser Geist gewöhnlich ist. Geräusche im Wald, Vogelstimmen, der Wind oder andere Sinneseindrücke ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Gedanken tauchen auf: Erinnerungen an Vergangenes, Pläne für später, Sorgen, Ängste oder innere Gespräche. All das ist ein natürlicher Teil unseres Geistes.
Die Übung besteht nicht darin, diese Gedanken zu bekämpfen oder zu unterdrücken. Vielmehr nehmen wir wahr, dass wir abgeschweift sind, und kehren freundlich und ohne Bewertung wieder zurück – zum nächsten Schritt. Immer wieder. Genau darin liegt die eigentliche Praxis.
Mit jeder Rückkehr in den gegenwärtigen Augenblick verliert das Gedankenkarussell etwas von seiner Kraft. Der Geist wird klarer und ruhiger. Der Körper beginnt, sich zu entspannen, weil er nicht länger auf vergangene Erfahrungen oder zukünftige Befürchtungen reagiert. Es entsteht eine wache Gelassenheit, in der wir den Wald, unseren Atem und unsere Bewegung unmittelbarer wahrnehmen.
Der Augenblick besitzt eine besondere Qualität: Er ist der einzige Ort, an dem das Leben tatsächlich stattfindet. Vergangenheit existiert als Erinnerung, Zukunft als Vorstellung. Wirklich leben können wir nur jetzt. Wenn Körper und Geist im gegenwärtigen Moment zusammenkommen, entsteht häufig ein Gefühl von Weite, Verbundenheit und innerem Frieden.
Die Gehmeditation stammt aus der jahrhundertealten Zen-Tradition des Buddhismus und ist zugleich ein wesentlicher Bestandteil vieler kontemplativer Übungswege. Willigis Jäger (1925–2020), Benediktinerpater, Mystiker und Zen-Meister sowie Gründer des Benediktushofs bei Würzburg, verband die christliche Kontemplation mit der Zen-Praxis. Sein Anliegen war es, Menschen unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit einen Weg zu unmittelbarer Erfahrung, Achtsamkeit und innerer Stille zu eröffnen. Seine Lehre war geprägt von Einfachheit: Immer wieder in diesen einen Augenblick zurückkehren – zum nächsten Schritt.