Edelbrände

Junge Frau holt eine Branntweinprobe aus dem Fass
Im Branntweinkeller

Pfälzer Weinbrand zählt zu den bekanntesten Spirituosen der Pfalz. Und er ist EU-weit geschützt. Seinen besonderen Geschmack verdankt er vor allem dem Pfälzer Wein. Es gibt in der Pfalz einige recht ambitionierte Hersteller von Pfälzer Weinbrand. Eine Landauer Brennerei beispielsweise hält ein umfangreiches Lager von bis zu 50 Jahre alten Weinbränden vorrätig. Auch einzelne Weingüter brennen Pfälzer Weinbrand aus ihren Gutsweinen. Der Großteil der Winzer jedoch vertreibt die Pfälzer Weinbrände der Weinspezialitäten Pfalz e.K. mit Sitz in Neustadt an der Weinstraße. Diese verwendet für ihre Brände ausschließlich reife, gebietstypische und bukettreiche Weine wie Müller-Thurgau und Morio-Muskat. Gebrannt wird nach einem traditionellen Verfahren über einer lodernden Flamme. Für die V.V.S.O.P.-Qualität folgt eine Lagerung von drei Jahren in kleinen und großen Eichenholzfässern. Dadurch gewinnt der Weinbrand an Farbe und Weichheit. Noch länger reift die XO-Variante des Pfälzer Weinbrands - ausschließlich in kleinen Barriquefässern. Den typischen, duftigen und harmonischen Geschmack des Pfälzer Weinbrands prägen die traditionellen Pfälzer Rebsortenweine ebenso wie der Einsatz der Holzfässer zur langsamen Reifung der Destillate. 

50 Obstsorten werden gebrannt

Die Anzahl der Pfälzer Spirituosenanbieter ist immens. So führt ein Großteil der Flaschenweinbetriebe auch Spirituosen auf Trauben- oder Weinbasis. Und allein 50 einheimische Obstsorten werden in der Pfalz gebrannt. Etwa 500 Betriebe mit einem Brennrecht sind in dem Verband der Pfälzer Klein- und Obstbrenner (www.obstbrenner.de) zusammengeschlossen. Die meisten Mitglieder kommen traditionell von der Südlichen Weinstraße. Dort gibt es die meisten Streuobstwiesen. Während in der Vorderpfalz insbesondere Kernobst, Beerenobst, Steinobst, Weintrauben, Hefe und Trester verarbeitet werden, brennen die bäuerlichen Betriebe in der Westpfalz vornehmlich Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Kirschen. Auch diese stammen von den zahlreichen privaten Streuobstwiesen. Die Kornbrennereien, ebenfalls meist in der Westpfalz ansässig, verarbeiten Getreide. Neben gängigen Obstbränden gibt es auch rare Spezialitäten. Seltenheitswert besitzt beispielsweise ein Brand von der Eberesche (Vogelbeere). Die Produktionsmenge von Schnäpsen und Likören ändert sich von Jahr zu Jahr. Je nachdem, wie ertragreich der Obst-Jahrgang ausfällt, haben die Brennereien mehr oder weniger Arbeit.

Feigen- und Kastanienlikör

Feine Früchte, edle Brände und feurige Ideen verbinden die Pfälzer Edelbrenner. Etwa 120 haben sich im Verein «Pfälzer Edelbrand e.V.” (www.verein-pfaelzer-edelbrand.de) zusammengetan. Ein in Blau gehaltenes Signet «Destillerie Pfälzer Edelbrand” zeigt: Hier finden Liebhaber Hochprozentiges aus Pfälzer Obst und Trauben, aus eigener Herstellung und in eher kleinen Mengen gebrannt. Die erfolgreiche Teilnahme an offiziellen Qualitätswettbewerben ist Voraussetzung für eine Mitgliedschaft.
Vor gut einem Jahrzehnt nahmen sich einzelne Mitglieder des Vereins Pfälzer Edelbrand der Feige an und entwickelten den ersten Feigenlikör. Schon das Erstlingswerk überzeugte durch Farbe, Duft und Geschmack. Seitdem gehört der gut nachgefragte Pfälzer Feigenlikör zum Angebot einiger Edelbrenner. Auch die Kastanie bereichert mit dem Pfälzer Kastanienlikör seit einigen Jahren das Spirituosensortiment der Pfälzer Edelbrenner. Der Kastanienlikör hat einen nussigen, reifen, erdigen, an Waldboden erinnernden Geschmack und schmeckt am Besten in der kühleren Jahreszeit, beispielsweise zum Dessert.

Schnapsproben gehören zum Besuchsprogramm

So vielfältig wie die Obstsorten der Gegend ist das jeweilige regionale Spirituosenangebot: Kirschwasser, Mirabellenwasser, Birnenbrand, Apfelbrand,  Zwetschgenwasser und viele andere Produkte finden sich in den Preislisten. Hinzu kommen zahlreiche Liköre, daneben auch Kräuterschnaps, Obstler und Korn. Zahlreiche Brennereien bieten Führungen durch den Betrieb an, teilweise laden sie auch zum »Schaubrennen« ein. Eine «Schnapsprobe” gehört hier mit zum Besuchsprogramm.

Destillate am besten dunkel lagern

Die abgefüllten Destillate sollten übrigens stehend, bei Zimmertemperatur und an einem dunklen Ort gelagert werden. Vor allem Steinobstbrände entwickeln erst im Laufe der Zeit ihr volles Aroma und werden im Geschmack zarter. Dagegen können Williamsbrände nicht allzu lange gelagert werden, da sonst die Inhaltsstoffe verharzen. Für die optimale Entfaltung der Aromen halten Experten verschiedene Trinktemperaturen bei einzelnen Obstbränden für angemessen. Demnach sollen Geister wie Himbeergeist mit 10-12 Grad, Steinobstbrände wie Kirschwasser mit 13-15 Grad und Kernobstbrände wie Williams-Birnen-Brand mit 17-18 Grad temperiert werden.