Pfälzer Winzerinnen: Eine neue Generation wächst heran
Pfälzer Winzerinnen: Eine neue Generation wächst heran

Frauen in der Pfälzer Weinlandschaft – vor Jahrzehnten noch ein äußerst seltener Anblick. Heute längst mehr als nur eine Normalität. Immer mehr Frauen greifen ins Geschehen ein, übernehmen Weingüter und sorgen mit kreativen Ideen und neuen Methoden für die nächste Weingeneration. Das hat auch das Hochglanz-Magazin „Der Feinschmecker“ zum Anlass genommen und stellvertretend für die Pfälzer Winzerfrauen sieben Auserwählte portraitiert.

Mit dabei ist Katrin Wind vom Arzheimer Weingut Wind. 2018 nominierte sie der „Feinschmecker“ bei den „Wine Awards“ als „Newcomerin des Jahres. Wind begann 2010 das Weinbau-Studium in Geisenheim und baute das bis dahin von ihrem Vater im Nebenerwerb geleitete Weingut mehr und mehr aus. Heute produziert sie in Arzheim „nackte, ehrliche und ungeschminkte“ Weine, wie sie sagt. Zu den sechs Hektar Rebfläche sorgt auch eine Parzelle an der kleinen Kalmit. Dort entsteht der Top-Riesling aus dem Hause Wind.

Ebenso vorgestellt wird im Magazin Victoria Lergenmüller aus dem Weingut Lergenmüller. Sie übernahm mit jungen 21 Jahren das Gut Sankt Annaberg hoch über Burrweiler. Die passionierte Jägerin ist nicht nur mit Leib und Seele Winzerin, sondern auch leidenschaftliche Köchin und Genussmensch. Bereits mit zwölf Jahren arbeitete sie im Weinkeller des Vaters mit, übernahm später das Gut Sankt Annaberg. Spezialisiert hat sie sich dort auf den Ausbau von Riesling, der auf Bodenarten Kalkstein, Buntsandstein und Schiefer heranwächst.

„Schwesterherz“ – so heißt eines der Prunkstücke der Schwestern Dorothee und Karoline Gaul aus Grünstadt-Sausenheim. Das Rotwein-Cuvée spiegelt die Persönlichkeit der beiden Winzer-Schwestern wider. Gemeinsam übernahmen Sie den Familienbetrieb, Karoline steuert Verkauf und Vermarktung, die jüngere Schwester Dorothee ist die Chefin im Weinkeller. Weiteres Prunkstück des Weinguts: der extravagante Probierraum inmitten der Sausenheimer Weinberge. Doch im Mittelpunkt steht immer die Qualität der Weine. Und die wachsen überwiegend auf kalkigem Grund heran und sollen die „Steinigkeit“ der Böden ins Glas bringen.

Seit 2010 mit Bio-Zertifikat – so arbeitet Regine Minges vom Familienweingut Theo Minges in Flemlingen. Geprägt wurde die Familie dabei schon früh von der Kunst. Großvater Theo war ein bekannter Bildhauer, Regine selbst malt, liest und fotografiert. Doch im Mittelpunkt steht immer die ökologische Bewirtschaftung von 25 Hektar Rebfläche. 2007 überließ ihr Vater Theo Regine den ersten Weinberg. Das Ergebnis: die Winzerin produzierte eine beeindruckende Scheurebe, spätestens damit überzeugte sie ihren Vater und wurde Teil der Winzerfamilie. Naturnah und als „Gefühlsmensch“ stellt sich Regine vor – und so präsentiert sie auch ihre Weine.

Vielseitig und umtriebig – so könnte man Yvonne Libelli bezeichnen. So führt sie nicht nur gemeinsam mit ihrem Bruder Martin Lucas das Forster Weingut Margarethenhof, sondern engagiert sich auch im Vorstand der Pfalzwein-Weinwerbung und als Regionalsprecherin der Organisation Vinissima. Zudem arbeitete sie parallel zum eigenen Betrieb lange für den Weinbau der Lebenshilfe in Bad Dürkheim. Im vergangenen Jahr wurden Libelli im Vinum Weinguide zur "Entdeckung des Jahres" ausgezeichnet und ist aktuell eine von drei Nominierten zum "Newcomer des Jahres" im Falstaff 2020. Ihr großes Pfund: die 17 Hektar Weinreben wachsen auf den besten Lagen der Mittelhaardt, unter anderem in den Lagen „Ungeheuer“, „Pechstein“, „Jesuitengarten“ oder „Musenhang“.

Last but not least präsentiert „Der Feinschmecker“ Sophie Christmann aus Neustadt-Gimmeldingen. Die Tochter des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), Steffen Christmann, gehört zu den Newcomerinnen der Pfalz, studierte in Geisenheim und Berlin Weinbau und Agrarökonomie. 2018 kehrte sie zurück nach Gimmeldingen und unterstützt seither ihren Vater im Familienbetrieb, dem Weingut Christmann. Seit 2004 wird dort biodynamisch angebaut, die Rieslinge sind weit über die Grenzen der Pfalz hinaus bekannt. Visionen für die Zukunft hat sie auch zur Genüge: Aktuell arbeitet sie mit Winzer Mathieu Kauffmann am biodynamischen Ausbau von Premium-Sekt.

Sieben Beispiele für die neue Generation Winzerinnen in der Pfalz – stellvertretend für eine ganze Reihe von Powerfrauen in der Pfälzer Weinlandschaft. Zahlreiche davon sind unter anderem im Netzwerk Vinissima organisiert. Weitere Infos dazu unter www.vinissima-ev.de