Vom richtigen Umgang mit dem unverzichtbaren Grün: Laubarbeiten im Weinberg
Bis ins Frühjahr sind die Rebstöcke kahl, dann, im April, zeigt sich mit dem beginn der Vegetationsphase das erste zarte Laub an den Rebstöcken. Die kleinen grünen Blättchen entwickeln sich rasch und machen mit wildem, ungestümem Wachstum im Mai und Juni und danach bis in den Sommer hinein viel Arbeit im Weinberg. Die Witterung beeinflusst maßgeblich das Wachstum der Triebe. Eine feucht-warme Wetterlage sorgt für Termindruck und manche Überstunde im Weinberg. Der Laubschnitt ist zwar weitgehend mechanisiert, zählt aber dennoch zu den arbeitsaufwändigsten Tätigkeiten eines Weinjahres.
Natürlich ist das Laub unverzichtbar, schließlich sorgt es durch die Photosynthese für die Oechslegrade in den Weintrauben. Doch schon nach wenigen Wochen muss das Wachstum in geordnete Bahnen gelenkt werden, vielfältige Laubarbeit steht auf dem Programm. So müssen Triebe, die sich am alten Holz in Bodennähe bilden, manuell in gebückter Haltung oder maschinell mit einem „Stammputzer“ entfernt werden. Auch Doppeltriebe aus einem „Auge“ (vor allem bei Burgundersorten zu beobachten), die bis auf wenige Ausnahmen überflüssigen sogenannten „Wasserschosse“ (www.pfalz.de/de/wein-und-genuss/wasserschoss-der) im Kopfbereich des Rebstocks oder schwache Kümmertriebe muss der Winzer ausbrechen. Darüber hinaus kann der Winzer die Anzahl der Triebe einer Bogrebe im Hinblick auf die gewünschte Erntemenge weiter reduzieren. Das zählt dann allerdings bereits zu den fakultativen und nicht mehr zu den unerlässlichen Laubarbeiten. Am einfachsten sind diese Handarbeiten, wenn die Triebe erst 20 Zentimeter lang und noch recht weich sind.
Auch das ist unerlässlich: Längere einjährige Fruchttriebe müssen rasch in den Drahtrahmen
eingesteckt werden. Sonst gibt es bald kein Durchkommen mehr durch die Rebzeilen und ein kräftiger Sturm würde die Triebe mitsamt Fruchtansatz abbrechen. Acht bis zehn Langtriebe je laufenden Meter Rebzeile sorgen für eine lockere Laubwandstruktur. Danach muss der Winzer die Wuchshöhe der Laubwand regulieren. Dazu werden die Triebe auf eine bestimmte Höhe gekürzt. Man nennt dies „gipfeln“. Erstmals wird dies etwa zwei Wochen nach der Rebblüte im Juni von einer Laubschneidemaschine erledigt. Eine Höhe von 1,40 Metern gilt als ideal für eine Laubwand. Ist das Laub nachgewachsen, muss erneut auf die Idealhöhe gekürzt werden.
Ein Ziel des Laubschnitts ist ein optimales Blatt-Frucht-Verhältnis: Pro Traube sollten es etwa 8 bis 13 Blätter sein. Über das richtige Blatt-Frucht-Verhältnis gibt es zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen, neuerdings auch vor dem Hintergrund der Klimaveränderung. Die Wissenschaft untersucht, wie viele Quadratzentimeter Blattfläche idealerweise für ein Gramm Trauben zur Verfügung stehen sollten. Demnach überflüssige Blätter saugt ein Laubsauger an und schneidet sie ab.
Als qualitätsfördernde Laubarbeit gilt auch das (Teil-)Entblättern der Traubenzone. Denn die besser belüfteten Trauben trocknen nach Niederschlägen schneller ab und sind dadurch weniger anfällig für Krankheiten wie Botrytis. Auch fördert diese Maßnahme bei roten Rebsorten wie dem Spätburgunder die Farbausbildung. Andererseits steigt in heißen Sommern durch die fehlende Beschattung die Sonnenbrandgefahr für die Trauben. So empfehlen manche Fachleute eine Entblätterung nur auf der Sonne abgewandten Seite. Diese speziellen Laubarbeiten erfordern viel Sachverstand und einen hohen Arbeitsaufwand, der sich erst rechnet, wenn der Wein zu einem angemessenen Preis verkauft werden kann.
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