Wie die Pfalz die Datenwelt vernetzt
Der Amerikaner Herman Hollerith, Kind deutscher Auswanderer aus Großfischlingen bei Edenkoben (Vater Georg, Professor an der Lateinschule in Speyer, wanderte 1848 aus), würde sich im Grabe umdrehen, wenn er die US-Wahlpannen im Jahre 2000 noch miterlebt hätte. Denn bereits 1887 präsentierte er sein »Elektrisches Tabelliersystem«, basierend auf Lochkarten, zur Revolutionierung von Stimmauszählungen. Aus Holleriths Firma ging in direkter Linie die »International Business Machines« (IBM) hervor, die die Entwicklungen Holleriths weiterführte und zum weltweit größten Unternehmen für Büromaschinen aufstieg. Parallel dazu begann IBM in den vierziger Jahren mit der Entwicklung und Vermarktung von Computern. Der pfalzstämmige Hollerith als Vater der modernen Datenverarbeitung hat Weltbewegendes geleistet.
Das wirkt heute in der rasanten Entwicklung des Forschungsstandorts Kaiserslautern fort. Dort sind inzwischen neben zwei Fraunhofer-Instituten auch das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz und das Max-Planck-Institut für Software-Systeme tätig. Von Kaiserslautern aus begann beispielsweise der Siegeszug des »body-scanners« von der Firma Human Solutions, mit dessen Hilfe sich Figurbewusste heute Maßanzüge millimetergenau auf den Leib schneidern lassen können.
Schließt man im Sinne modernen Netzwerkdenkens die Kurpfalz mit ein, dann schließt sich der Kreis in den siebziger Jahren. Damals beschlossen fünf deutsche IBM Mitarbeiter in der Rhein-Neckar-Region, sich selbständig zu machen – und ihrerseits in guter Tradition den Datenmarkt zu revolutionieren. Die geistigen Urenkel und Nachfahren Holleriths gründeten SAP. Heute ist das Walldorfer Unternehmen Weltmeister in Softwareanwendungen, steht für innovative Entwicklungen und hat als »global player« seine Heimat nur 30 Kilometer von Holleriths Geburtsort. Der Pfälzer Datenmeister wäre stolz auf sie - auch ohne Lochkarten.


