Wenn die Pfalz musikalische Höhenflüge erlebt
Wieso kann man wohl in der Pfalz die größte und die kleinste Tuba der Welt bestaunen? Das Musikantenlandmuseum auf Burg Lichtenberg bei Kusel hält die Erinnerung an die Westpfälzer Wandermusikanten wach, die im 19. Jahrhundert in die amerikanische Musikgeschichte eingegangen sind. Immerhin wurde der offizielle Zeremonienmarsch des Weißen Hauses, »Hail America«, mit dem der Präsident Staatsgäste empfängt, von dem Pfälzer Georg Drumm komponiert. Gruppen von fünf bis 15 Mann, bewehrt mit Streich- oder Blasinstrumenten, bereisten damals buchstäblich alle Orte der zivilisierten Welt, und sorgten sich sozusagen spielend um den Unterhalt ihrer Familie in der Heimat. Wo in der Blütezeit des Gewerbes etwa 2.500 Musikanten aufspielten, gab es natürlich auch eine bedeutsame Instrumentenproduktion, aus der die besagten Tuben hervorgingen.
Mit der Pfalz verbinden man zwei Sänger mit Weltruhm: Der Tenor Fritz Wunderlich wurde 1930 in Kusel geboren. Sein kometenhafter Aufstieg, der ihn an die Bayerische Staatsoper München, an die Staatsoper Wien und zu den Salzburger Festspielen führte, fand durch einen tödlichen Treppensturz des 35-Jährigen ein jähes Ende. Unvergesslich sind seine Partien in Mozart-Opern und als Schubert-Interpret. Erika Köth war zwar keine gebürtige Pfälzerin, am Pfalztheater in Kaiserslautern begann aber 1948 ihre internationale Karriere auf den großen Bühnen dieser Welt, unter anderem erklang ihre silberhelle Stimme unter Herbert von Karajan an der Mailänder »Scala«, auch trat sie in den Operhäusern von Genf, Paris und Budapest auf. Sie wohnte bis zu ihrem Tod in Neustadt-Königsbach, wo sie einen »Ehrenwingert« besass.
200 Jahre früher, im Winter 1777/78 hielt sich ein berühmter Komponist fünf Monate lang am Mannheimer Hof auf: Wolfgang Amadeus Mozart hoffte, am Kurfürstlichen Orchester, das sich durch die Mannheimer Schule europaweit einen Namen gemacht hatte, Arbeit zu finden – doch vergeblich. Mozart lebte in dieser Zeit im Hause des Kapellmeisters und wichtigen Vertreters der Mannheimer Kompositionsschule, Christian Cannabich, und erteilte dessen Tochter Musikunterricht. Auch lernte er die Sängerin Aloysia Weber kennen, in die er sich verliebte. Im Januar 1778 weilte er auch mal für vier Tage in dem pfälzischen Residenzstädtchen Kirchheimbolanden und ließ in der Schloss- und Hofkirche, der heutigen Pauluskirche, die Tasten der gewaltigen Stumm-Orgel erklingen; sie ist eine der besterhaltensten Barockorgeln Deutschlands und von unschätzbarem Wert.


