Warum die Pfälzer sich im Paradies wähnen
Nichts gegen die Äpfel, die in der Pfalz natürlich auch in bester Qualität gedeihen. Aber als Botschafter fürs südländisch-milde Pfälzer Klima taugen andere weit besser. Etwa die biblischen Begleiter der Äpfel, die Feigen; denn sie wachsen hier in so großer Zahl wie sonst nirgendwo in Deutschland. Vor allem entlang der Deutschen Weinstraße und in der Vorderpfalz stehen etwa 50.000 Feigensträucher. Die ungefähr 80 Gramm schweren Früchte werden im Juli und August reif, die Erntemenge beläuft sich damit auf etwa 800.000 Kilo. In guten Jahren können sich die Pfälzer sogar über noch mehr paradiesische Früchtchen freuen, denn dann ist eine zweite Ernte im Spätherbst möglich. Wo die Feigen wachsen, sind meist die Mandelbäume nicht weit, die manchmal schon Ende Februar die winterlich-graue Stimmung mit ihren zartrosa Blütentupfern aufhellen – und später als kandierte Mandeln manchen Regentag versüßen. Im Herbst, wenn der Neue Wein allerorten angeboten wird, lockt ein anderes Vergnügen, das die Pfalz mit südländischen Regionen verbindet:
Die »Keschde«, wie die Esskastanien auf gut Pfälzisch heißen, sind reif. Nicht nur am Rand des Haardt-Gebirges, sondern auch in der Rheinebene und am Donnersberg reifen Pfälzer Esskastanien – zur Freude der Einheimischen, die ihren Gänsebraten am Liebsten mit Maronen füllen und der Touristen, die sich auf den Kastanienmärkten vergnügen oder auf dem »Pfälzer Keschdeweg« allerlei Interessantes über diesen Einwanderer aus dem Süden erfahren. Wer jetzt noch am besonderen Klima der Pfalz zweifelt, der halte Ausschau nach Kiwis und Zitronenbäumchen (mit Früchten) in den Gärten oder frage auf dem Markt nach Pfälzer Melonen. Auch die gibt es.


