Warum die Pfälzer beim Gemüse die Schnellsten sind
Sehen wir es einmal rein quantitativ: Dann haben die Pfälzer Tomaten - verglichen mit Radieschen, Zwiebeln und Kopfsalat - wirklich einen schweren Stand. Denn in der Statistik des Pfalzmarktes für Obst und Gemüse, der jährlich mehr als 140.000 Tonnen Gemüse umschlägt und damit bundesweit zur absoluten Branchenspitze zählt, ist dieses junge Gemüse den Pfälzer Tomaten um Längen voraus. Umsatzmillionäre sind sie, die Radieschen, Zwiebeln und der Kopfsalat, und dahinter stehen Erntemengen, wie sie nur die Pfalz als größtes geschlossenes Anbaugebiet der Republik aufweisen kann: Fast 60 Millionen Bund Radieschen, knapp 37 Millionen Bund Zwiebeln und 18 Millionen Stück Kopfsalat liefert allein der Pfalzmarkt in Mutterstadt. Auf dem Saisonkalender des Marktes stehen, alphabetisch geordnet, nicht weniger als 80 Produkte von A wie Artischocke bis Z wie Zwiebel.
Doch die Pfälzer sind unter den deutschen Anbaugebieten auch die Schnellsten: Dank der milden Witterung hat das Pfälzer Gemüse fast ganzjährig Saison, und natürlich sprießt auch edles Gemüse auf den Feldern: Spargel etwa, der hier so früh geerntet wird, dass im Spargeldorf Dudenhofen im Rhein-Pfalz-Kreis schon Anfang April beim »Pfälzer Spargelstich« das erste Pfund an einen Prominenten gegeben wird. Mehr als 710.000 Kilogramm weißer Spargel und 21.000 Kilogramm grüner Spargel wurden 2003 über den Großmarkt in Mutterstadt umgeschlagen. Und wer dies liest und gerade seinen Kaffee süßt, greift vielleicht auch zu einem Stück Pfalz: Auf fast 10.000 Hektar Pfälzer Ackerboden werden Zuckerrüben angebaut, 520.000 Tonnen wiegt die Erntemenge. Noch weitaus größer ist die Anbaufläche für Braugerste (32.192 Hektar), Grundstoff für die Produkte einiger regionaler Biermarken. Dies alles zeigt, dass die Pfälzer Landwirtschaft beileibe nicht vom Wein allein lebt.
Doch zurück zu den Tomaten, denn die gehören natürlich auch zum Programm des Pfalzmarktes: 367.000 Kilogramm runde Tomaten wurden etwa 2003 umgeschlagen, fast 59.000 Kilogramm Rispentomaten und etwa 3.500 Kilogramm Cocktailtomaten. Das wäre anderswo vielleicht erwähnenswert, doch nicht an einem Ort, wo zu Spitzenzeiten bis zu 150 Lastwagen täglich mit Pfälzer Gemüse beladen und zu den Kunden überall in Europa geschickt werden. Die Tomate hat in Übersee Karriere gemacht, immerhin stand auch dabei ein Pfälzer Pate. Die Familie Heinz, die im amerikanischen Pittsburgh das erste Tomatenketchup produzierte, stammt aus dem Pfälzer Weinort Kallstadt. Wenn´s um Gemüse und andere Agrarprodukte geht, ist die Pfalz eben einfach Spitze.


