Warum der Betzenberg Spitze ist
Die Pfalz insgesamt, so hat ein kluger Kopf errechnet, ist in etwa so groß wie eine Million Fußballfelder zusammen. Die Aufmerksamkeit der Menschen, die auf dieser Million Fußball-Feldern wohnen, konzentriert sich indes im wesentlichen auf ein Fußballfeld hoch oben in Kaiserslautern. Meist samstags, manchmal auch mittwochs, sieht die Pfalz rot, und die Liga-Konkurrenz (ob mit oder ohne Lederhosen) versucht, den Betzenberg zu stürmen. Der "Betze" ist zwar mit 286,5 Meter bei weitem nicht die höchste Erhebung der Pfalz - hier hat der Donnersberg mit 687 Metern die Bergnase vor -, aber sicher ihre bekannteste. Und nebenbei das höchstgelegene Bundesligastadion und das höchstgelegene WM-Stadion der Republik.
Im Jahr 1920 - genau 20 Jahre nach der Gründung des vierfachen deutschen Fußballmeisters 1. FC Kaiserslautern - wurde das heutige Fritz-Walter-Stadion südlich des Hauptbahnhofs errichtet. «Auf den luftigen Höhen des Betzenbergs«, so beschrieb damals eine Zeitung blumig die Lage der zunächst bescheidenen Arena. In Eigenarbeit wurde das Gelände zu einem Sportplatz umgebaut, und weil der Verein kein Geld hatte, wurden Schuldscheine ausgegeben, die mit fünf Prozent verzinst wurden. Bis zum Ausbruchs des zweiten Weltkrieges wurde weiter im Stadion gewerkelt, das Fassungsvermögen betrug schließlich rund 18 000 Zuschauer. Später, bei Gründung der Bundesliga 1963, packten sogar die amerikanischen Soldaten mit an, die erforderlichen rund 35 000 Plätze zu schaffen.
Als im Jahr 2006 die WM-Spiele in Kaiserslautern angepfiffen werden, haben rund 48 500 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion Platz. Ohne die finanzielle Hilfe des Landes Rheinland-Pfalz und der Stadt Kaisersslautern, die zeitweise um die 80 Prozent der Baukosten übernahmen, wäre das Stadion nie zum «Schatzkästlein« des deutschen Fußballs geworden. Kostete die Westtribüne 1988 noch etwa neun Millionen Mark, mussten für die Nordtribüne samt Funktionsräumen bis 1995 rund 51 Millionen Mark locker gemacht werden - und bis das Stadion 2006 »weltmeisterschaftsreif«, wurden bis dahin auch weltmeisterliche Kosten fällig. Doch diese Investition hat sich sicher bezahlt gemacht, denn der Pfälzer Fußball-Club ist – zumindest bei Fußball-Fans - überall auf der Welt ein Begriff. Der Betzenberg ist eben einfach Spitze.


