Warum das „Wunder von Bern“ auch ein Pfälzer Wunder ist

Als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am 4. Juli 1954 in der Schweiz  mit dem 3:2-Sieg gegen den haushohen Favoriten Ungarn für das «Wunder von Bern« sorgte und erstmals Weltmeister wurde, waren fünf Pfälzer dabei. Alle kamen vom bis dahin zweifachen deutschen Meister 1. FC Kaiserslautern, der wenige Wochen zuvor im deutschen Endspiel am 23. Mai 1954 in Hamburg gegen Hannover 96 als vermeintlicher Favorit ein unerwartetes 1:5-Debakel erlebt hatte.
Der damalige Bundestrainer Josef «Sepp« Herberger, als Mannheimer ebenfalls ein Kurpfälzer, hielt trotz hämischer Kritik an den «Verlierern« von Hamburg fest - und er tat gut daran. Fritz Walter als Kapitän führte die deutsche Mannschaft zum Turniersieg, Ottmar Walter war mit vier WM-Toren einer der erfolgreichsten Torschützen, Werner Liebrich als Mittelläufer Chef der Abwehr, Horst Eckel unermüdlicher Pendler zwischen Abwehr und Angriff und Werner Kohlmeyer ein eisenharter Verteidiger. Zwei pfälzische Spieler aus dieser bis heute viel gerühmten Mannschaft leben noch: Ottmar Walter (81), der «kleine Bruder« von Fußballidol Fritz Walter, verbringt seinen Lebensabend in seiner Heimatstadt Kaiserslautern, Horst Eckel (73) lebt im nahen Vogelbach - hat aber selbst als Rentner noch nicht genug vom Fußball.
Der ehemalige Realschullehrer ist immer wieder bei Prominentenspielen am Ball und obendrein als Repräsentant der Sepp-Herberger-Stiftung Nachfolger des 2002  gestorbenen Fritz Walter, dessen Name das WM-Stadion auf dem Betzenberg in Kaiserslautern trägt. Was ist aus den «Helden von Bern« geworden, nachdem der Rummel um sie allmählich nachgelassen hatte? Fritz Walter wurde selbstständiger Kaufmann, betrieb zeitweise ein Kino und eine Wäscherei, war Firmenrepräsentant und bis kurz vor seinem Tod viel gefragter «Stargast« bei Firmen, Funk und Fernsehen. Sein Bruder Ottmar war Pächter einer Tankstelle und später Mitarbeiter der Stadtverwaltung Kaiserslautern, Werner Liebrich (+ 1995) stand täglich in seinem Schreibwaren- und Tabakgeschäft, Horst Eckel stieg als Sport- und Kunstlehrer in den Schuldienst ein, nur Kaufmann Werner Kohlmeyer (+ 1974) wurde mit dem Ruhm nicht fertig – nach vielen Höhen und Tiefen arbeitete er bis zu seinem Tod als Portier bei einem Mainzer Verlag.