Von der Sinnlichkeit des südlichen Lichts
Das besondere, südländische Licht der Pfalz hat schon viele Maler inspiriert. So machte der Hauptvertreter des deutschen Impressionismus, Max Slevogt, die Pfalz zu seiner Wahlheimat. Hier verbrachte der gebürtige Bayer viele Jahre seines Lebens bis zu seinem Tod 1932. Er liebte es, seine Landschaftsbilder unter freiem Himmel zu malen, und es gelang ihm, den flüchtigen Augenblick mit leuchtend-heiteren Farben auf die Leinwand zu bannen. Neben Slevogt zählt Otto Dill zu den bedeutenden Malern der Pfalz. Die pfälzischen Landschaften, die er mit kraftvoller Pinselführung und impulsivem Farbauftrag einfing, der sinnliche Rausch von sattem Rot, intensivem Gelb oder kräftigem Grün, lassen erkennen, dass er vom Expressionismus geprägt ist. Darüber hinaus ist er aufgrund seiner furiosen Tiermalerei bekannt geworden, wobei er eine Vorliebe für Löwen und Pferde an den Tag legte.
Speyer hat zwei Künstler hervorgebracht, die internationalen Ruhm erlangten. Anselm Feuerbach gehörte zu den bekanntesten Malern im gründerzeitlichen Deutschland. Zeitlebens war er auf der Suche nach einer schöneren und besseren Welt, die er in seinen Bildern darstellen wollte. Er orientierte sich dabei in Italien an Vorbildern der Antike und der Renaissance. Im Jahr 1880, als Feuerbach in Venedig starb, erblickte Hans Purrmann in Speyer das Licht der Welt. Der Schüler von Franz von Stuck siedelte 1905 nach Paris über, wo er sich Henri Matisse anschloss. Später ging auch er nach Italien und war unter anderem mit Hermann Hesse befreundet. In seinem umfangreichen Werk finden sich zahlreiche heitere und farbenfrohe Landschaften und Stillleben.
Als größter amerikanischer Karikaturist hat sich Thomas Nast aus Landau einen Namen gemacht; er hat beispielsweise den Santa Claus als Kindheitserinnerung an den dicken, sackbeladenen pfälzischen »Pelzenickel« geschaffen. Aus seiner Feder stammen auch die Symbole der beiden großen Parteien der USA: der Esel für die Demokratische Partei und der Elefant für die Republikaner. Daniel-Henry Kahnweiler griff nicht selbst zum Pinsel, doch wusste er das künstlerische Schaffen zu schätzen: Der gebürtige Mannheimer war ein bedeutender Kunstmäzen und mit den großen Malern des 20. Jahrhunderts, darunter Pablo Picasso, befreundet. Wer sich einen Überblick über die Pfälzer Malerei verschaffen will, ist in der Pfalzgalerie in Kaiserslautern genau am richtigen Ort. Darüber hinaus zeigt die Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben Werke von Slevogt, und es lohnt sich auch, dem Purrmann- beziehungsweise Feuerbach-Haus in Speyer einen Besuch abzustatten.


