Steillagen in der Pfalz

Von Biodynamik und Pergolaerziehung

Westlich der Touristikroute »Deutsche Weinstraße«, die das Weinbaugebiet Pfalz durchzieht, liegen traditionell die wertvollsten Pfälzer Weinberge. Meist handelt es sich um sanft ansteigende  Hanglagen, die im Westen vom Pfälzerwald begrenzt sind. Doch wer auf dem Wanderweg Deutsche Weinstraße unterwegs ist, wird von oben nicht nur die Aussicht auf die Rheinebene genießen, sondern auch immer wieder aufgegebene Weinbergsflächen entdecken. Meist liegen sie an besonders schwierig zugänglichen Stellen in unmittelbarer Waldnähe. Hier wurde einst Weinbau in Handarbeit betrieben, bis die Besitzer auf einfacher zu bewirtschaftende Flächen auswichen. Teilweise handelt es sich bei diesen aufgelassenen Parzellen um »richtige« Steillagen mit einer Hangneigung von mehr als 30 Prozent.

Denn solche Extrem-Weinberge gibt es nicht nur an der Mosel, sondern auch in der Pfalz - etwa bei Birkweiler, Leinsweiler oder Eschbach im Landkreis Südliche Weinstraße, außerdem bei Bad Dürkheim, bei Ungstein oder auch im Zellertal. Insgesamt existieren in der Pfalz etwa zwei Dutzend solcher Weingärten mit extremer Hangneigung. Mehr als 20 Hektar dieser Steillagen, Weinberge mit einer mindestens 30-prozentigen Steigung, sind im Weinlagenkataster für die Pfalz erfasst.

Es ist vor allem dem Idealismus einiger Winzer zu verdanken, dass manche Steillagen immer noch gepflegt und andere, bereits verwilderte Flächen, wieder rekultiviert werden. So berichtete eine Weinzeitschrift vor einigen Monaten von der Rettung eines wertvollen Weinbergs in der St. Martiner Steillage Wingertsberg. In dem mit Riesling bestockten Weinberg arbeitet Winzer Dominik Sona biodynamisch. Die gleiche Wirtschaftsweise pflegt der Bad Dürkheimer Winzer Bernd Pflüger in seinen mehr als einen Hektar umfassenden Steillagen im Dürkheimer Michelsberg und im Ungsteiner Herrenberg. Die Rieslinge auf den nach Südosten bzw. Südwesten ausgerichteten Steillagen (vor allem Kalkmergelboden) haben eine Standzeit zwischen 10 und 45 Jahren, und der Wein aus diesen wahrlich alten Reben »schmeckt immer super«, so der stolze Erzeuger.

Verlässt man das pfälzische Weinland in Richtung Pirmasens, so erhebt sich links der Bundesstraße majestätisch eine der besten Lagen der Südpfalz, der Kastanienbusch. Diese Lage auf etwa 300 Meter Höhen bewirtschaften Winzer aus Birkweiler und benachbarten Weinorten, einige große Gewächse kommen aus dem »Keschdebusch«. Die Weinlage ist unterschiedlich geneigt, mitunter geht es steil bergauf. Hier hat beispielsweise das Weingut Dr. Wehrheim auf 50 Ar 25 Jahre alte Rieslingreben stehen, auf klassischem Buntsandsteinverwitterungsboden. Die Rebstöcke blicken nach Süden bzw. Südosten, ihr Wuchs ist bescheiden, eine Bodenbearbeitung findet so gut wie nicht statt, sagt Karlheinz Wehrheim, der die Parzelle mit ihren 31 Prozent Steigung biodynamisch bewirtschaftet. Weitere stillgelegte Flächen warten darauf, rekultiviert zu werden. Insgesamt beträgt die Steillagenfläche im Kastanienbusch mehr als 5 Hektar. Winzer Wehrheim: »Im Kastanienbusch gibt es genug zu tun.«

Im Kastanienbusch, aber auch im benachbarten Albersweiler bewirtschaftet Hansjörg Rebholz zwei Steillagen. Das bekannte Siebeldinger Weingut hat im Kastanienbusch mehr als 2 Hektar seit 20 Jahren mit Riesling bestockt, in der Lage Albersweiler Latt stehen seit 60 Jahren Gewürztraminerstöcke. Hier wird noch die alte Pergola-Erziehung gepflegt. Und der Traminer aus diesem unwegsamen Gelände gilt als »Kultwein«. Die Terrassen in der Südlage Kastanienbusch, ursprünglich zur einfacheren Bearbeitung angelegt, hat Hansjörg Rebholz wieder abgetragen und damit dem Weinberg seine ursprüngliche Form zurückgegeben.

Will man in steilen Lagen kostendeckend Weinbau betreiben, gehören wohl immer eine gewisse Portion Idealismus und ebensoviel Vermarktungstalent dazu. Beides besitzen offenbar die fünf Jungwinzer der Südpfalz-Connexion. Sie haben einen längst aufgegebenen, ebenso steilen wie steinigen Spätburgunder-Weinberg bei Gräfenhausen wieder angelegt. Damit  lassen sie die große Burgundertradition des kleinen Weinorts bei Annweiler wieder aufleben. Wie schon ein Jahrhundert zuvor, wird nun neuerdings wieder nobler Gräfenhausener Spätburgunder auf Kreuzfahrtschiffen zu noblen Preisen serviert.