Ein Fass voll Pfälzer Wein-Superlativen
Was denken die Deutschen, wenn sie das Wort Pfalz hören? Sie denken an Wein. Dazu haben die Pfälzer das Ihre beigetragen, denn in ihrer zweitausendjährigen Weingeschichte haben sie kaum einen Superlativ rund ums süffige Thema ausgespart. Der Dürkheimer Winzer und Küfermeister Fritz Keller etwa begeister noch heute Millionen Touristen mit seiner 1934 geborenen Idee, ein Fass von 1,7 Millionen Litern zu bauen, Dabei kann man aus dem größten Weinfass der Welt kein Gläschen zapfen, sondern darin eines trinken (es beherbergt ein Restaurant) – und drumherum einmal im Jahr das größte Weinfest der Welt erleben. Rund 250.000 Liter fließen alljährlich beim Dürkheimer Wurstmarkt durch durstige Kehlen. Bei solch einer rekordverdächtigen Menge wird gern vergessen, dass der Wurstmarkt auch eines der ältesten Pfälzer Weinfeste ist. Schon im 15. Jahrhundert versorgten die Dürkheimer Bürger die Pilger, die zur Michelskapelle kamen, mit Wein und Wurst.
Der Wurstmarkt ist sicher einer der Ursprünge der Pfälzer Gastfreundschaft, die sich heute in der Spitzenzahl von jährlich fast 200 Weinfesten niederschlägt. Darunter sind rekordverdächtige wie der Erlebnistag Deutsche Weinstraße (mit 85 Kilometern sicher eines der längsten Weinfeste der Welt), und wein-weltbewegende wie das Deutsche Weinlesefest. Dort schlängelt sich alljährlich im Oktober nicht nur der längste Winzerfestumzug durch die Straßen von Neustadt, sondern wird auch die Pfälzer und die deutsche Weinkönigin gekürt. Denn auch hier – sie werden es erraten – waren die Pfälzer Vorreiter. 1931 wurde in Neustadt beim Weinlesefest die Idee geboren, eine Weinkönigin zu wählen – und weil es nirgendwo sonst eine Weinkönigin gab, waren die ersten Pfälzer Weinköniginnen gleichzeitig Deutsche Weinköniginnen und Neustadt wurde zum traditionellen Krönungsort.
Doch damit nicht genug der weinsinnigen Spitzenleistungen: Der älteste Wein der Welt (eine aus dem 3. Jahrhundert n. Christus datierte Flasche, die einem römischen Legionär als Wegzehrung mit ins Grab gelegt wurde und heute im Historischen Museum der Pfalz in Speyer bestaunt werden kann), der älteste noch tragende Weinberg (datiert von etwa 1650 im pfälzischen Rhodt), die älteste Weinstraße, der erste Weinlehrpfad, das höchste je gemessene Mostgewicht (326 Grad Oechsle sorgten dafür, dass aus dem Most nie Wein wurde), die größte weinbautreibende Gemeinde (Neustadt an der Weinstraße und Landau liefern sich hier seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen) stehen unter anderem im Pfälzer Guinness-Buch der Weinrekorde. Bei soviel quantitativen Erfolgen bleibt die Qualität - Bacchus sei dank - nicht auf der Strecke: Die Pfalz gilt heute als eines der innovativste Anbaugebiet Deutschlands, und belegt national und oft auch international bei Wein-Wettbewerben gleich reihenweise die Siegerplätze. Da lässt es sich doch verschmerzen, dass die Region rund um die Deutsche Weinstrasse nur das zweitgrößte deutsche Weinanbaugebiet ist


