Wilder Westen und Rock n´Roll: Die pfälzische Seite von Amerika
Seit über 300 Jahren besteht ein enges Beziehungsgeflecht zwischen der Pfalz und Amerika. Als einer der ersten Pfälzer dürfte wohl Georg Hohermuth aus Speyer 1535 südamerikanischen Boden betreten haben, um als Konquistador und Stadthalter von Venezuela das Goldland Eldorado zu suchen. »New Paltz« nannten vom Sonnenkönig im 17. Jahrhundert aus Frankreich vertriebene Hugenotten, die vorübergehend in der Pfalz Aufnahme fanden, bevor sie sich in Amerika niederließen, ihre Siedlung in der neuen Welt in Erinnerung an ihr erstes Exil. Der Zuwandererstrom aus der Pfalz war dann in den folgenden Jahrzehnten derart groß, dass schließlich alle Neuankömmlinge »Palatines«, also »Pfälzer« genannt wurden, ganz gleich aus welchem Land sie eigentlich kamen. Im Übrigen gehörte zu den frühen Siedlern 1709 auch die Familie Pressler aus dem südpfälzischen Hochstadt, Vorfahren des »King of Rock ’n’ Roll« Elvis Presley.
Als »Lederstrumpf« ging Johann Adam Hartmann aus Edenkoben in die Geschichte des Wilden Westens ein: Der gebürtige Pfälzer, der in den USA als Waldläufer und Jäger im Indianergrenzgebiet arbeitete und 1836 am Mohawk River starb, diente James Fenimore Cooper neben Daniel Boone als Vorlage für seinen berühmten Trapper. Auch der amerikanische Eisenbahnkönig, der Erbauer der Nordpazifikbahn, war ein Pfälzer: Heinrich Hilgard-Villard, geboren 1835 in Speyer, 65-jährig bei New York gestorben, ließ seine Heimat an seinem Erfolg teilnehmen, indem er hier zahlreiche soziale und kulturelle Einrichtungen unterstützte.
Neben den vielen Pfälzern, die aus wirtschaftlichen Gründen über den großen Teich drängten, waren es insbesondere nach dem Hambacher Fest von 1832 und der Revolution von 1848/49 zahlreiche politische Flüchtlinge, später dann nach 1933 viele jüdische Emigranten, die in den USA Asyl und eine neue Heimat gefunden haben. Nicht zuletzt hat sich die Stationierung amerikanischer Soldaten in der Pfalz nach dem Zweiten Weltkrieg, die auf dem NATO-Flughafen Ramstein den größten US-Militärstützpunkt außerhalb der Vereinigten Staaten betreiben, Ehe stiftend ausgewirkt. Hunderte von pfälzischen Frauen folgten ihren Männern wieder zurück in die USA und gründeten dort Familien. Wer also den amerikanischen Kontinent bereist, sollte sich nicht wundern, wenn hie und da Pfälzisches an seine Ohren dringt, insbesondere natürlich in Pennsylvania und im südlichen Teil Brasiliens, wo seit vielen Generationen Pfälzer leben und sich auch heute noch zu ihren Wurzeln bekennen.


