Von Landräten und Zahnärzten: Weltmeisterliches aus der Pfalz
Nur etwa 1,5 Prozent der 80 Millionen Deutsche sind Pfälzer - doch die Sportler aus der Südwestecke Deutschlands sorgten schon oft weltweit für Furore. 15 Pfälzerinnen und Pfälzer wurden in den zurückliegenden 50 Jahren Weltmeister in ihren Sportarten und Disziplinen - mehrere von ihnen waren zusätzlich obendrein in Europa die Nr. 1. Jeweils viermal holten pfälzische Radsportler und Ringer WM-Gold - zweimal Ruderer und Gewichtheber.
Für den grössten «Knaller« sorgte 1981 die damals 16jährige Ute Enzenauer (Ludwigshafen), als sie in Prag bei den Strassen-Radweltmeisterschaften der Radsportler die versammelte Weltelite düpierte und nach Zielfoto die weltberühmte Französin Jeannie Longo besiegte. Rad-Gold gab es ausserdem für Gregor Braun (Neustadt), Jan van Eijden (Dudenhofen) und Stefan Steinweg (Dudenhofen).
Natürlich holten auch pfälzische Ringer mehrmals WM-Gold: «Ringerkönig« Winfried Dietrich, Pasquale Passarelli (Ludwigshafen), Claudio Passarelli und Arawat Sabejew (beide Schifferstadt). Alois Bierl und Andrea Klapheck (beide Ludwigshafen) waren im Rudern weltweit die Nr. 1, Rainer Dörrzapf und Ronny Weller (beide Mutterstadt) schafften das im Gewichtheben.
Zweifacher Handball-Weltmeister wurde 1955 und 1959 Hans Ruff (Ludwigshafen), Jutta Müller (Bobenheim-Roxheim) war 1989 und 1991 die weltbeste Surferin und Andreas Brehme sorgte 1990 in Rom im WM-Finale gegen Argentinien mit seinem «goldenen Tor« per Foulelfmeter dafür, dass Deutschland zum dritten Mal Fußball-Weltmeister wurde. Auch der Weltschiedsrichter 2004, der Zahnarzt Dr. Markus Merk, stammt aus der Pfalz und wohnt – natürlich – in der Pfälzer Fußballhochburg schlechthin, Kaiserslautern.
Weltbedeutung hatten auch andere Sportler - auch wenn sie sich nicht mit einem WM-Titel schmücken konnten. So forderte 1966 der damalige Box-Europameister Karl Mildenberger (Kaiserslautern) den «Grössten« Muhammad Ali (USA) in Frankfurt zu einem Titelkampf - und unterlag in der zwölften von fünfzehn Runden durch einen technischen KO. Der Radsportler, Weltcupgewinner und zwölffache Tour-Teilnehmer Udo Bölts (Heltersberg) ging in die Sportgeschichte ein, als er bei der «Tour de France« den späteren Sieger Jan Ullrich anherrschte: «Quäl dich, du Sau!«. In der Formel 1 startete Jochen Maas (Bad Dürkheim) 105mal und gewann zwischendurch das 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Zweimal Vize-Weltmeister und einmal Europameister im Fußball wurde Hans-Peter Briegel (Kaiserslautern), einmal Vize-Weltmeisterin und Europameisterin war Heidi Mohr (Niederkirchen). Die «Eisprinzessin« Claudia Leistner (Ludwigshafen) war zweimal Vize-Weltmeisterin im Kunstlauf. Mit 337 Stundenkilometern war in den 50er Jahren Wilhelm Herz (Ludwigshafen) schnellster Motorradfahrer der Welt. Kein Wunder, dass soviel Sportlichkeit auch ins politische Leben der Pfalz abstrahlt. Werner Schröter, amtierender Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises, war 1970 Vizeweltmeister im Ringen.


