Gute Laune auch ohne »Schorlewetter«
Auch wenn das Wetter zum »silbernen Jubiläum« des autofreien Erlebnistages an der Deutschen Weinstraße alles andere als ideal war – die Gäste und Fans des längsten Weinfestes der Pfalz ließen sich durch graue Wolken, Wind und Regen nicht den Spaß verderben. Die geschätzten, knapp 300.000 Besucher genossen die Weinbergslandschaft und die malerischen Weindörfer ohne Autoverkehr und freuten sich am Anblick von Sonnenblumen-Ensembles wie am Ortseingang von Rhodt oder der kleinen Sonnenblumen-Allee zwischen Neustadt-Diedesfeld und Maikammer, die das diesjährige Motto »Blühende Pfalz« in Erinnerung riefen. Das mäßige Wetter nahmen die meisten wie Dieter Hörner, einer der Initiatoren des Erlebnistages, mit Humor. Er hatte in seiner Eröffnungsansprache auf dem Ludwigsplatz in Edenkoben daran erinnert, dass er für den 25. Erlebnistag Deutsche Weinstraße »Schorlewetter von 28 Grad« angekündigt habe. »Und das haben wir heute auch«, hob er hervor. »Morgens 14 und abends 14.« Die Polizei meldete entlang der Strecke keine Unfälle, lediglich das Technische Hilfswerk mußte bei platten Reifen und anderen Pannen helfen.
Um 10.29 Uhr hatte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck mit der pfälzischen Weinkönigin Gabi Klein den Startschuß für das bunte Weinstraßen-Treiben gegeben. Gemeinsam zählten Sie von sechs auf null – dann ließen 25 Kindergartenkinder aus Edenkoben mehr als zweihundert orangefarbene Luftballons in den Himmel steigen. Bei der kurzen Eröffnungsfeier auf der SWR-Bühne hatte Hörner an den ersten Erlebnistag erinnert. Niemand habe 1985 ahnen können, dass aus dem »zarten Pflänzchen« einmal das »längste Weinfest der Pfalz« werde, sagte Hörner Ministerpräsident Beck begrüßte in seiner Rede auch die vielen Gäste aus anderen Bundesländern und gratulierte zum »Auftakt für die nächsten 25 Jahre«. Julia Klöckner, parlamentarische Staatssekretärin im Berliner Landwirtschaftsministerium, lobte den Erlebnistag als »Ideengeber für viele andere autofreie Tage«.
Während sich bis Mittag die Sonne immer wieder kurz blicken ließ, zogen ab 15 Uhr dunkle Wolken auf, in Teilen der Weinstraße setzte Regen ein. Entsprechend begehrt waren die Plätze in den Höfen oder unter Schirmen entlang der Strecke. »Komm, wir machen Schorlepause« rief ein junger Radler, als mal wieder ein Regenschauer eingesetzt hatte – und bog mit seinen Freunden auf den Hof der Winzergenossenschaft in Edenkoben ab. So hielten es viele an diesem Augustsonntag, der ein gefühlter Apriltag war. Ein Erlebnistags-Besucher, der bei ähnlicher Witterung einen autofreien Tag in einem anderen Landesteil mitgemacht hatte, war dennoch vom Andrang erstaunt: »Dort war in den Dörfern kaum jemand auf der Straße, und hier sind so viele Leut.«


