Altern, das:
Die Alterungsfähigkeit des Weines birgt eine Faszination in sich! Bereits in der Antike beschäftigte die Menschen dieses einzigartige Phänomen. Kein anderes Lebensmittel war in der Lage, über Jahrzehnte hinweg immer erstaunlichere geschmackliche Qualitäten zu entwickeln. Man vermutete schon, es müsste sich um übernatürliche Kräfte handeln, welche diese Naturerscheinung hervorrufen kann. So wurden dem Wein sogar eigene Gottheiten gewidmet.
Bei den Griechen war es Dionysos und bei den Römern Bacchus, die des Weines willen größte Verehrung fanden! Als religiös könnte man manchmal auch das Verhältnis von Weinsammlern zu ihren alten Gewächsen beschreiben. In klimatisierten Kellern gelagert, werden diese mit Respekt und großem Zeremoniell behandelt.
Auf Versteigerungen erzielen solche Altweine Erlöse von bis zu mehreren tausend Euro pro Flasche. Einer Studie zufolge werden jedoch die bekanntesten Sammlerstücke zu 70 Prozent nie verkostet! Frische und leichte Weißweine, sowie fruchtige, zarte Rotweine sind für eine lange Lagerung von mehr als zwei Jahren weniger gut geeignet. Aus Spitzenlagen stammende Weine hingegen, mit fester Struktur und Fülle, vor allem edelsüße Weine, entwickeln ein unheimliches Reifepotential, das dem Genießer einfach Spaß macht!
Die Ursachen für die Veränderung beim Altern der Weine sind komplexe chemische Prozesse. Beim Weißwein spielen vor allem Veresterung und Oxidation eine Rolle. Beim Roten ist es zusätzlich die Bildung großer Molekülketten aus Tanninen (Polymerisation), welche die geschmacklichen Erlebnisse des Weinliebhabers hervorrufen. Beim Genuss eines alten Weines ist es wie mit dem besten Freund. Freundschaft muss gehegt und gepflegt werden. Das heißt: einem zum Lagern geeigneten Wein sollte man durchaus immer mal wieder näher kommen, damit man sich auch nach Jahren noch kennt!
Susanne Winterling
Pfälzische Weinkönigin